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ESBK Sperrliste 2025: Diese Wettanbieter sind in der Schweiz blockiert

Schweizer Behördengebäude mit digitalem Sicherheitssymbol

Die Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK führt eine der umfangreichsten Sperrlisten für Online-Glücksspielangebote in Europa. Diese Liste enthält Hunderte von Websites, die in der Schweiz ohne Bewilligung Geldspiele anbieten und deren Zugang für Schweizer Internetnutzer gesperrt werden soll. Für Sportwettenfans bedeutet dies, dass zahlreiche international bekannte Buchmacher nicht mehr über normale Internetverbindungen erreichbar sind. Das System der Netzsperren ist jedoch umstritten und in seiner Wirksamkeit begrenzt.

Die Sperrliste ist ein zentrales Instrument des 2019 in Kraft getretenen Geldspielgesetzes. Sie soll den Schweizer Glücksspielmarkt vor ausländischer Konkurrenz schützen und gleichzeitig den Spielerschutz gewährleisten. Die Realität zeigt jedoch ein komplexeres Bild: Zwischen dem Anspruch einer lückenlosen Marktabschottung und den technischen Möglichkeiten des Internets klafft eine erhebliche Lücke.

Der Weg auf die Sperrliste: Verfahren und Kriterien

Die ESBK hat den gesetzlichen Auftrag, alle Online-Spielangebote zu identifizieren und zu sperren, die in der Schweiz nicht bewilligt sind. Das Verfahren zur Aufnahme einer Website auf die Sperrliste folgt dabei einem festgelegten Ablauf, der mehrere Monate in Anspruch nehmen kann.

Offizielle Dokumente und Stempel auf einem Behördenschreibtisch

Zunächst muss die ESBK feststellen, dass ein bestimmtes Angebot die Kriterien für eine Sperrung erfüllt. Diese Kriterien sind im Geldspielgesetz definiert: Die Website muss Online-Geldspiele anbieten, über eine Schweizer IP-Adresse erreichbar sein, eine Registrierung mit Benutzername und Passwort ermöglichen sowie Einsätze und Gewinne erlauben. Wenn alle diese Voraussetzungen erfüllt sind und der Anbieter keine Schweizer Bewilligung besitzt, kann das Sperrverfahren eingeleitet werden.

Der Entscheid zur Sperrung muss im Bundesblatt veröffentlicht werden, bevor er rechtskräftig wird. Diese Veröffentlichung dient der Rechtssicherheit und gibt theoretisch auch dem betroffenen Anbieter die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. In der Praxis nehmen ausländische Anbieter diese Möglichkeit selten wahr, da sie ohnehin keine Schweizer Lizenz anstreben.

Nach der Veröffentlichung im Bundesblatt haben die Schweizer Fernmeldedienstanbieter fünf Tage Zeit, um die Sperrung umzusetzen. Der gesamte Prozess von der Meldung eines illegalen Angebots bis zur effektiven Sperrung kann somit bis zu viereinhalb Monate dauern. Diese lange Verfahrensdauer wird regelmässig kritisiert, da sie es Anbietern ermöglicht, über einen erheblichen Zeitraum weiter am Schweizer Markt aktiv zu sein.

Aktuelle gesperrte Wettanbieter im Überblick

Die Sperrliste der ESBK umfasst mittlerweile mehrere Hundert Domainnamen. Sie wird regelmässig aktualisiert, zuletzt im November 2025. Die Liste enthält sowohl spezialisierte Sportwettenanbieter als auch Online-Casinos, die nebenbei Sportwetten anbieten.

Die gesperrten Anbieter lassen sich grob in mehrere Kategorien einteilen. Zum einen finden sich auf der Liste etablierte internationale Buchmacher mit Lizenzen aus Malta, Gibraltar oder Grossbritannien. Diese Anbieter operieren in vielen Ländern legal, haben jedoch keine Schweizer Bewilligung beantragt oder erhalten.

Eine zweite Kategorie bilden Anbieter mit Lizenzen aus weniger streng regulierten Jurisdiktionen wie Curaçao oder Anjouan. Diese Anbieter sind oft auch in anderen europäischen Ländern nicht lizenziert und bieten ihre Dienste in einer rechtlichen Grauzone an.

Die dritte Kategorie sind Anbieter ohne erkennbare Lizenz oder mit gefälschten Lizenznachweisen. Diese stellen aus Spielerschutzsicht das grösste Risiko dar, da bei ihnen weder die Fairness der Spiele noch die Auszahlung von Gewinnen garantiert ist.

Bekannte Namen auf der Sperrliste

Unter den gesperrten Anbietern finden sich zahlreiche Namen, die europäischen Sportwettenfans vertraut sein dürften. Bet365, einer der weltweit grössten Buchmacher mit britischer Lizenz, ist in der Schweiz ebenso gesperrt wie Bwin, Tipico und Betfair. Auch Interwetten, ein österreichischer Traditionsanbieter mit langer Geschichte im deutschsprachigen Raum, findet sich auf der Liste.

Weltkugel mit blockierten Verbindungen zu verschiedenen Ländern

Die Sperrung dieser etablierten Anbieter war für viele Schweizer Wettfans ein Schock. Vor 2019 konnten sie problemlos bei diesen Buchmachern wetten, oft mit Konten, die bereits Jahre alt waren. Mit dem Inkrafttreten des Geldspielgesetzes wurden bestehende Kundenbeziehungen praktisch über Nacht unterbrochen.

Viele dieser Anbieter haben sich nach der Einführung der Netzsperren aus dem Schweizer Markt zurückgezogen. Sie akzeptieren keine Neuregistrierungen aus der Schweiz mehr und haben teilweise bestehende Konten von Schweizer Kunden geschlossen. Andere hingegen bedienen weiterhin aktiv Schweizer Kunden und umgehen die Sperren durch den Einsatz von Spiegelseiten unter alternativen Domainnamen.

Neben den etablierten Namen enthält die Sperrliste auch zahlreiche weniger bekannte Anbieter. Darunter befinden sich spezialisierte Anbieter für bestimmte Sportarten, Krypto-Wettanbieter und regionale Buchmacher aus verschiedenen Ländern. Die Vielfalt der gesperrten Angebote zeigt, wie gross das Interesse ausländischer Anbieter am Schweizer Markt ist.

Besonders interessant ist die Situation bei Anbietern, die in mehreren europäischen Ländern aktiv sind. Ein Buchmacher wie Bet365 verfügt über Lizenzen in Grossbritannien, Spanien, Italien und zahlreichen anderen Ländern, operiert dort vollkommen legal und geniesst einen guten Ruf. In der Schweiz steht derselbe Anbieter auf der Sperrliste. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass es nicht um die Seriosität der Anbieter geht, sondern um die regulatorischen Entscheidungen der Schweizer Behörden.

Die wirtschaftlichen Folgen der Sperrung sind für die betroffenen Anbieter überschaubar. Der Schweizer Markt ist mit seinen acht Millionen Einwohnern relativ klein. Für globale Anbieter wie Bet365 oder Bwin stellt der Verlust des Schweizer Marktes keinen existenzbedrohenden Einschnitt dar. Kleinere Anbieter, die stärker auf den deutschsprachigen Raum fokussiert waren, haben jedoch spürbare Einbussen erlitten.

Wie die Sperre technisch umgesetzt wird

Die ESBK verwendet für die Umsetzung der Netzsperren das sogenannte DNS-Blocking. DNS steht für Domain Name System und ist das Verzeichnis, das Domainnamen in IP-Adressen übersetzt. Wenn ein Nutzer eine Webadresse in seinen Browser eingibt, fragt der Computer zunächst einen DNS-Server, welche IP-Adresse zu dieser Domain gehört.

Beim DNS-Blocking wird dieser Mechanismus manipuliert. Wenn ein Schweizer Nutzer eine gesperrte Website aufrufen will, antwortet der DNS-Server nicht mit der korrekten IP-Adresse, sondern leitet auf eine Warnseite um. Diese Seite informiert den Nutzer darüber, dass das angeforderte Angebot in der Schweiz nicht bewilligt ist.

DNS-Blocking gilt als vergleichsweise milde Form der Netzsperre. Es ist technisch einfach umzusetzen und erfordert keine tiefgreifenden Eingriffe in die Netzwerkinfrastruktur. Die Kehrseite ist, dass diese Sperren relativ leicht zu umgehen sind. Wer einen alternativen DNS-Server verwendet, etwa den öffentlichen DNS-Server von Google, kann die Sperren umgehen.

Die ESBK ist sich dieser Limitierung bewusst. In ihrer offiziellen Kommunikation räumt sie ein, dass DNS-Sperren technisch begrenzt wirksam und grundsätzlich umgehbar sind. Das Ziel der Massnahme sei nicht eine lückenlose Blockade, sondern eine Erschwerung des Zugangs für den durchschnittlichen Nutzer.

Die parallele Gespa-Sperrliste

Neben der ESBK führt auch die interkantonale Geldspielaufsicht Gespa eine eigene Sperrliste. Diese Aufteilung spiegelt die komplexe Kompetenzverteilung im Schweizer Glücksspielwesen wider.

Zwei offizielle Schweizer Dokumente nebeneinander auf einem Schreibtisch

Die ESBK ist zuständig für Spielbankenspiele, also klassische Casino-Angebote und deren Online-Varianten. Die Gespa hingegen beaufsichtigt Grossspiele und Kleinspiele, zu denen auch Sportwetten gehören. In der Praxis bieten viele Websites sowohl Casino-Spiele als auch Sportwetten an, weshalb sie auf beiden Listen erscheinen können.

Die Sperrliste der Gespa fokussiert auf Anbieter, die primär Lotterien, Sportwetten oder Geschicklichkeitsspiele anbieten. Sie wird ebenfalls regelmässig aktualisiert und enthält teilweise andere Domains als die ESBK-Liste. Für Fernmeldedienstanbieter bedeutet dies, dass sie beide Listen berücksichtigen müssen.

Die Koordination zwischen ESBK und Gespa funktioniert in der Praxis gut. Beide Behörden tauschen Informationen aus und stimmen ihre Massnahmen ab. Für den Endnutzer ist die Unterscheidung zwischen den beiden Listen weitgehend irrelevant, da beide Arten von Sperren auf die gleiche Weise technisch umgesetzt werden.

Auswirkungen für Schweizer Spieler

Die Netzsperren haben den Schweizer Sportwettenmarkt grundlegend verändert. Vor 2019 konnten Schweizer Wettfans aus einem breiten Angebot internationaler Buchmacher wählen. Heute sind legal nur noch Sporttip und Jouez Sport verfügbar, die beiden Sportwettenprodukte der Lotteriegesellschaften Swisslos und Loterie Romande.

Für Spieler, die weiterhin bei ausländischen Anbietern wetten, entstehen verschiedene Risiken. Das offensichtlichste ist die fehlende Rechtssicherheit. Wer bei einem gesperrten Anbieter spielt und Probleme mit Auszahlungen hat, kann sich nicht an Schweizer Behörden wenden. Die ESBK weist explizit darauf hin, dass Spieler bei nicht bewilligten Angeboten auf eigene Gefahr spielen.

Ein weiteres Risiko besteht im Rahmen von Strafverfahren gegen die Anbieter. Theoretisch können Einsätze und Gewinne von Spielern bei illegalen Anbietern im Rahmen solcher Verfahren eingezogen werden. In der Praxis ist dies bisher selten vorgekommen, die Möglichkeit besteht jedoch.

Steuerlich sind Gewinne bei ausländischen Anbietern vollständig als Einkommen zu versteuern. Der grosszügige Freibetrag von über einer Million Franken, der für Gewinne bei Schweizer Anbietern gilt, kommt hier nicht zur Anwendung. Dies kann bei höheren Gewinnen zu einer erheblichen Steuerlast führen.

Dynamik der Liste: Neue Einträge und Aktualisierungen

Die ESBK-Sperrliste ist kein statisches Dokument, sondern wird kontinuierlich erweitert und aktualisiert. Die Behörde veröffentlicht regelmässig neue Versionen, die zusätzliche Domains enthalten oder veraltete Einträge entfernen.

Die Dynamik des illegalen Marktes stellt die Behörden vor Herausforderungen. Wenn eine Domain gesperrt wird, registrieren die Anbieter oft innerhalb kurzer Zeit alternative Domains und setzen ihr Angebot unter neuer Adresse fort. Dieses Katz-und-Maus-Spiel führt dazu, dass die Sperrliste ständig wächst, ohne dass der Zugang zu illegalen Angeboten effektiv unterbunden wird.

Die ESBK hat eingeräumt, dass das Überprüfen und Sperren einer grösseren Anzahl von Domains mehrere Monate in Anspruch nehmen kann. Bei einem konkreten Fall dauerte es neun Monate, um über 80 Domains eines einzelnen Betreibers zu sperren. In dieser Zeit konnte der Anbieter sein Geschäft ungestört fortsetzen.

Die technischen und rechtlichen Grenzen des Sperrsystems werden auch durch die internationale Dimension erschwert. Viele Anbieter haben ihren Sitz in Ländern, mit denen die Schweiz keine effektive Rechtshilfe austauschen kann. Selbst wenn Strafverfahren eingeleitet werden, verlaufen diese oft im Sand.

Im Jahr 2025 wurden mehrere neue Versionen der Sperrliste veröffentlicht, zuletzt im November. Jede Aktualisierung enthält typischerweise zwischen zehn und fünfzig neue Domains. Die Gesamtzahl der gesperrten Domains liegt mittlerweile bei mehreren Hundert und wächst stetig weiter.

Die Behörde hat einen Meldedienst eingerichtet, über den Fernmeldedienstanbieter automatisch über Aktualisierungen der Liste informiert werden. Diese E-Mail-Benachrichtigungen ersetzen jedoch nicht die offizielle Publikation im Bundesblatt, die allein rechtswirksam ist.

Ein interessantes Detail betrifft die Entfernung von Domains aus der Liste. Wenn ein Anbieter seine Tätigkeit einstellt oder eine Domain nicht mehr genutzt wird, kann sie theoretisch von der Liste gestrichen werden. In der Praxis geschieht dies jedoch selten, da der administrative Aufwand für die Überprüfung hoch ist und keine Dringlichkeit besteht.

Kritik am Sperrsystem

Das System der Netzsperren ist seit seiner Einführung umstritten. Kritiker bemängeln verschiedene Aspekte, von der grundsätzlichen Wirksamkeit bis zu den netzpolitischen Implikationen.

Der häufigste Kritikpunkt betrifft die technische Unwirksamkeit der DNS-Sperren. Mit minimalem technischem Wissen lassen sich die Sperren umgehen. Ein einfacher Wechsel des DNS-Servers, der Einsatz eines VPN oder die direkte Eingabe der IP-Adresse führen zum Ziel. Die Sperren betreffen somit primär technisch weniger versierte Nutzer.

Aus netzpolitischer Sicht wird kritisiert, dass die Schweiz mit den Netzsperren erstmals eine Infrastruktur zur Zensur des Internets geschaffen hat. Auch wenn die Sperren aktuell nur Glücksspielangebote betreffen, könnte die Infrastruktur theoretisch für andere Zwecke missbraucht werden. Diese Bedenken wurden bereits während der Volksabstimmung 2018 geäussert und waren ein wesentlicher Grund für die Opposition gegen das Gesetz.

Befürworter des Gesetzes argumentieren hingegen, dass jede Erschwerung des Zugangs zu illegalen Angeboten einen Schutzeffekt hat. Nicht jeder Spieler sei bereit oder in der Lage, technische Umgehungsmassnahmen zu ergreifen. Für diese Gruppe biete das Sperrsystem einen gewissen Schutz vor problematischem Spielverhalten bei unregulierten Anbietern.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Kosten-Nutzen-Relation des Systems. Der administrative Aufwand für die Pflege der Sperrliste, die Veröffentlichung im Bundesblatt und die Koordination mit den Fernmeldedienstanbietern steht in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Wirksamkeit. Kritiker sehen darin eine Verschwendung öffentlicher Ressourcen.

Die Monopolstellung von Swisslos und Loterie Romande wird ebenfalls kritisch gesehen. Das Sperrsystem schützt nicht primär den Spieler, sondern die wirtschaftlichen Interessen der staatlichen Lotteriegesellschaften. Diese profitieren von der Ausschaltung der Konkurrenz und können aufgrund ihrer Monopolstellung weniger attraktive Konditionen anbieten.

Schliesslich wird die lange Verfahrensdauer bemängelt. Zwischen der Meldung eines illegalen Angebots und seiner Sperrung können Monate vergehen. In dieser Zeit kann der Anbieter ungestört am Schweizer Markt operieren und Kunden gewinnen. Wenn die Sperre dann endlich greift, weicht er einfach auf eine neue Domain aus.

Die Perspektive der Betroffenen

Aus Sicht vieler Schweizer Sportwettenfans stellt die aktuelle Situation einen erheblichen Einschnitt dar. Das Angebot von Sporttip und Jouez Sport wird als deutlich weniger attraktiv empfunden als das der internationalen Konkurrenz. Die Quoten sind niedriger, das Wettangebot schmaler und moderne Features wie Livestreaming oder Cash-out fehlen weitgehend.

Nachdenklicher Sportfan vor einem Bildschirm mit Sportereignissen

Besonders frustrierend ist für viele Spieler der Umstand, dass sie vor 2019 legal bei ausländischen Anbietern spielen konnten. Bestehende Kontoguthaben mussten teilweise mühsam zurückgefordert werden, wobei nicht alle Anbieter kooperativ waren. Die abrupte Änderung der Rechtslage wurde von vielen als unverhältnismässig empfunden.

Auf der anderen Seite stehen die Interessen von Swisslos und Loterie Romande, die vom Monopol profitieren. Die Einnahmen aus dem Glücksspiel fliessen zu grossen Teilen in gemeinnützige Zwecke und die Altersvorsorge. Jeder Franken, der an ausländische Anbieter fliesst, fehlt diesen Zwecken.

Ausblick und Entwicklung

Die Diskussion um die Netzsperren wird voraussichtlich weitergehen. Technische Entwicklungen, rechtliche Herausforderungen und politischer Druck könnten das System in den kommenden Jahren verändern.

Eine mögliche Entwicklung wäre eine Öffnung des Marktes für ausländische Anbieter unter strengen Auflagen. Dieses Modell wird in einigen europäischen Ländern praktiziert und könnte auch für die Schweiz in Frage kommen. Die politischen Hürden dafür sind jedoch hoch, da das aktuelle System erst vor wenigen Jahren per Volksabstimmung eingeführt wurde.

Wahrscheinlicher ist eine schrittweise Verbesserung des Angebots der Schweizer Anbieter. Sporttip und Jouez Sport arbeiten kontinuierlich daran, ihre Produkte attraktiver zu gestalten. Die Einführung neuer Funktionen und die Erweiterung des Wettangebots könnten dazu beitragen, die Abwanderung zu illegalen Anbietern zu reduzieren.

Die ESBK wird voraussichtlich ihre Sperrliste weiter pflegen und ausbauen. Gleichzeitig werden auch die Umgehungsmethoden raffinierter werden. In diesem Gleichgewicht wird sich der Schweizer Sportwettenmarkt auf absehbare Zeit bewegen.

Technische Alternativen zu DNS-Sperren

Die ESBK hat verschiedene Möglichkeiten, die Effektivität ihrer Sperrmassnahmen zu erhöhen. DNS-Blocking ist nur eine von mehreren technischen Optionen, wenn auch die am wenigsten invasive.

IP-Blocking würde einen Schritt weitergehen und nicht nur Domainnamen, sondern die dahinterliegenden IP-Adressen sperren. Diese Methode ist schwieriger zu umgehen, führt aber auch häufiger zu Kollateralschäden, wenn mehrere Websites die gleiche IP-Adresse teilen.

Deep Packet Inspection ermöglicht eine noch tiefgreifendere Kontrolle des Internetverkehrs. Dabei wird der Inhalt der übertragenen Datenpakete analysiert, nicht nur die Zieladresse. Diese Technologie wird in einigen Ländern zur Zensur eingesetzt, wäre aber in der Schweiz aus netzpolitischen Gründen sehr umstritten.

Bislang hat die ESBK keine Ankündigungen gemacht, über DNS-Sperren hinauszugehen. Die Behörde scheint sich der Grenzen ihrer technischen Möglichkeiten bewusst zu sein und setzt eher auf eine Kombination aus Erschwerung des Zugangs und Aufklärung der Spieler über die Risiken illegaler Angebote.

Die Rolle der Internet-Provider

Die Umsetzung der Netzsperren liegt bei den Schweizer Fernmeldedienstanbietern. Diese haben den gesetzlichen Auftrag, den Zugang zu den auf der Sperrliste aufgeführten Domains zu blockieren. Die Zusammenarbeit funktioniert in der Praxis weitgehend reibungslos.

Die grossen Schweizer Provider wie Swisscom, Sunrise und Salt setzen die Sperren zuverlässig um. Kleinere Anbieter und ausländische DNS-Dienste sind jedoch nicht an das Schweizer Recht gebunden. Wer beispielsweise den DNS-Server von Google oder Cloudflare nutzt, umgeht damit automatisch die Schweizer Sperren.

Für die Provider bedeutet die Umsetzung der Sperrliste einen gewissen administrativen Aufwand. Sie müssen die regelmässig aktualisierten Listen einpflegen und ihre Systeme entsprechend konfigurieren. Dieser Aufwand wird nicht vergütet, was vereinzelt zu Kritik geführt hat.

Die technische Umsetzung bei den Providern variiert leicht. Alle leiten Anfragen an gesperrte Domains auf eine Informationsseite um, die Gestaltung dieser Seite unterscheidet sich jedoch. Allen gemeinsam ist der Hinweis, dass das angeforderte Angebot in der Schweiz nicht bewilligt ist.

Spielerschutz durch die Sperrliste

Ein wesentliches Argument für die Sperrliste ist der Spielerschutz. Durch die Erschwerung des Zugangs zu illegalen Angeboten sollen problematisches Spielverhalten eingedämmt und vulnerable Spieler geschützt werden.

Schützende Hände über einem Familiensymbol

Die Wirksamkeit dieses Ansatzes ist umstritten. Kritiker argumentieren, dass technisch versierte Spieler die Sperren ohnehin umgehen können und nur diejenigen betroffen sind, die auch ohne die Sperren weniger intensiv spielen würden. Befürworter halten dagegen, dass jede Hürde einen gewissen Schutzeffekt hat und nicht alle Spieler bereit sind, Umgehungsmassnahmen zu ergreifen.

Bei Schweizer Anbietern greifen umfangreiche Spielerschutzmassnahmen. Dazu gehören Einzahlungslimits, Selbstsperren und die Möglichkeit der Fremdsperrung durch Angehörige. Diese Massnahmen existieren bei ausländischen Anbietern oft nicht oder sind weniger streng ausgestaltet.

Seit dem 7. Januar 2025 gilt die Schweizer Spielsperre auch im Fürstentum Liechtenstein. Diese Erweiterung zeigt, dass die behördlichen Massnahmen zum Spielerschutz kontinuierlich ausgebaut werden. Die Kooperation zwischen verschiedenen Jurisdiktionen verstärkt den Schutzeffekt.

Fazit zur ESBK-Sperrliste

Die ESBK-Sperrliste ist ein zentrales Element der Schweizer Glücksspielregulierung. Sie verfolgt das Ziel, den heimischen Markt zu schützen und gleichzeitig Spielerschutz zu gewährleisten. Ihre technische Wirksamkeit ist begrenzt, doch als Teil eines umfassenden regulatorischen Rahmens erfüllt sie eine wichtige Funktion.

Für Schweizer Spieler bedeutet die Sperrliste eine Einschränkung ihrer Wahlmöglichkeiten. Die etablierten internationalen Buchmacher sind nicht mehr ohne weiteres erreichbar, stattdessen steht ein kleineres, aber reguliertes Angebot zur Verfügung. Diese Einschränkung wird von vielen als Bevormundung empfunden, von anderen als sinnvoller Schutz.

Die Zukunft der Sperrliste hängt von verschiedenen Faktoren ab. Technische Entwicklungen, politische Entscheidungen und das Verhalten der Marktteilnehmer werden bestimmen, ob das System in seiner jetzigen Form Bestand hat oder angepasst wird. Bis auf weiteres bleibt die Sperrliste ein fester Bestandteil der Schweizer Glücksspiellandschaft.

Für Schweizer Wettfans bleibt die Situation ambivalent. Wer auf der sicheren Seite bleiben will, nutzt die legalen Schweizer Anbieter mit ihren Einschränkungen, aber auch ihren Vorteilen wie Rechtssicherheit und Steuerfreiheit. Wer mehr Auswahl und bessere Quoten sucht, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone mit entsprechenden Risiken. Diese individuelle Abwägung muss jeder Spieler für sich selbst treffen, wobei die steuerlichen und rechtlichen Vorteile der legalen Anbieter nicht unterschätzt werden sollten.

Von Experten geprüft: Lina Beck